Die Kunst des Luftanhaltens

Training & Technik
Geschrieben von: John Mullen at 8 November '16 0
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Schwimmen erfordert häufiges Luftanhalten. Im Vergleich zu anderen Sportarten, bei denen die Atmung nicht eingeschränkt ist, stellt das eine ungewöhnliche Anforderung dar. Weshalb Atmen die Voraussetzung für sportliche Aktivität ist, ist offensichtlich: Die die Muskeln müssen für ihre aerobe Tätigkeit mit Sauerstoff versorgt werden. Dennoch stört die Atmung beim Schwimmen die Biomechanik, selbst mit der allerbesten Atemtechnik. Das Luftanhalten erlaubt es Schwimmern, den Schmetterlingsbeinschlag, die wohl schnellste Schwimmbewegung, unter Wasser zu nutzen. Im Schwimmtraining wird oft mit Atem-Halte-Techniken gearbeitet, um die Häufigkeit der Atmung zu reduzieren und das Luftanhalten für den Schmetterlingsbeinschlag unter Wasser zu üben.

Die Apnoe ist der Stillstand der Atemmuskeln während das Luftvolumen in der Lunge gleich bleibt. Beim Schwimmtraining wird das Luftanhalten oft fälschlicherweise als hypoxisches Training bezeichnet. Richtig ist, dass beim Luftanhalten unter Wasser die Apnoe genutzt wird und zur Hyperkapnie führt, d.h. der übermäßigen Ansammlung von CO2 im Blutkreislauf [lies mehr über das Hyperkapnie-Training und die tolle Arbeit von Dr. Woorons; Ausatmen-und-Halten-Technik ; Dr. Woorons Forschungsergebnisse].

In Schwimmerkreisen übt an das lange Luftanhalten während der Bewegung und versuchen, die Fähigkeit, Luft unter Wasser anzuhalten, zu verbessern (obwohl niemand im Wettkampf wirklich länger als ca. 20 Sekunden am Stück die Luft anhält). Diese dogmatische Praxis hat schon zahlreiche Todesfälle verursacht, die als „Shallow Water Blackouts“ (Flachwasser-Blackout) bekannt geworden sind.

Physiologische Konsequenzen des Luftanhaltens

Während man die Luft unter Wasser anhält, verringern sich sowohl die Herzfrequenz als auch das Schlagvolumen (die Menge Blut, die das Herz bei jeder Kontraktion rauspumpt). Der Blutfluss verringert sich, da die Arterien sich verengen. Währenddessen versucht der Körper, zu entscheiden, welche Organe am dringendsten Blut brauchen und priorisiert lebensnotwendige Organe (zum Beispiel das Gehirn).

Eine Studie hat die Konsequenzen des Luftanhaltens während einer 4 x 25 m langen Strecke mit 30 Sekunden Pause untersucht. Die Vergleichsgruppen waren wie folgt:

(a) Atmen in normaler Frequenz ohne Flossen

(b) komplettes Luft Anhalten unter Wasser während der vier 25-m-Längen ohne Flossen

(c) Atmen in normaler Frequenz mit Standard-Flossen

(d) komplettes Luft Anhalten unter Wasser während der vier 25-m-Längen mit Flossen

Folgende Unterschiede ließen sich bei den Gruppen feststellen:

Das Luftanhalten unter Wasser während des Schwimmens führte zu einer verringerten Sauerstoffversorgung des Bluts in den Arterien, sowohl in der Gruppe mit Flossen als auch ohne Flossen. Die maximale Herzfrequenz verringerte sich bei beiden Gruppen, die die Luft anhielten.

Die Studie zeigte, dass das akute dynamische Luftanhalten während des Schwimmens unter Wasser bei männlichen Schwimmern auf semi-professionellem Niveau  zu einer reduzierten Sauerstoffversorgung der Arterien und einer niedrigeren Herzfrequenz führt.

Diese Studie hat nur das Luftanhalten über einzelne Längen untersucht, nicht etwa bei ganzen Einheiten oder über die maximaler Strecke am Stück – eine gängige aber bisweilen gefährliche Praxis des Luftanhaltens unter Wasser. Wenn du das Luftanhalten mit deinem Team trainierst, achte auf folgenden Dinge  und nutze eine sichere Methode:

Tipps:

1. Shallow Water Blackouts resultieren aus der reduzierten Herzfrequenz und dem niedrigeren Schlagvolumen, die sicherlich auf eine sehr langsame Praxis der Atem-Halte-Techniken unter Wasser zurück zu führen sind. Wenn du Atem-Halte-Techniken trainierst, dann nutze kurze Distanzen bei schnellen Geschwindigkeiten.

2. Mit der Abnahme des Sauerstoffs geht die Abnahme der Leistung einher, was laut Trainer Bruce Gemmell die Biomechanik des Atmens zu einer der wichtigsten Erfolgsfktoren für Distanzen über 50 m macht.

Referenz:
Guimard A, Prieur F, Zorgati H, Morin D, Lasne F, Collomp K. Acute apnea swimming: metabolic responses and performance. J Strength Cond Res. 2014 Apr;28(4):958-63.
Author

Geschrieben von:

John Mullen

Dr. John Mullen, DPT, CSCS is a World renowned expert and speaker in sports training and rehabilitation. He received his Doctorate in Physical Therapy at USC, as well as the Josette Antonelli Division Service Scholarship, Order of the Golden Cane, and the Order of Areté. At USC, he also performed research on swimming biomechanics and lung adaptations in swimming training. Dr. John has worked with multiple professional and Olympic athletes, helping them earn Olympic medals. His dedication to research and individualization spurred him to open COR - Physical Therapy and Sports Performance in 2011. Since 2011, Dr. John has been featured in Stack Magazine, Swimming World Magazine, Swimmer Magazine, USA Swimming, USA Triathlon, Swimming Science, and many more. He is also an editor of the NSCA personal trainer quarterly. Before his Doctoral program, Dr. John swam on an athletic scholarship at Purdue University. At Purdue, Dr. John was an Academic Honorable Mention All-American and was awarded the Red Mackey Award and R. O. Papenguh Award. He also won the Purdue Undergraduate business plan and elevator pitch competition, as well as 1st prize with the Indiana Soy Bean Alliance. Dr. John was born in Centerville, Ohio and was a 24-time high school All-American Swimmer. Dr. John is still a swimmer and holds a Masters swimming World and Pacific Swimming Record.

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