Wie es ist, die Langsamste auf der Schwimmbahn zu sein

Aus dem Leben eines Schwimmers
Geschrieben von: Valeria Molfino at 3 November '17 0
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Theoretisch wissen wir alle, wie man schnell schwimmt. Wir probieren ständig neue Methoden  aus, um noch schneller zu werden, perfektionieren unseren Schwimmstil und arbeiten stetig an unserem Gefühl für das Wasser. Dabei vergessen wir aber häufig, das Schwimmen einfach nur zu genießen.

In der Zeit, bevor ich mich einer richtigen Schwimmmannschaft anschloss, verliefen meine Tage im Schwimmbad schleppend. Ich schlenderte gemächlich wie eine Schildkröte zum Beckenrand, tauchte meine Zehen ins Wasser, um die Temperatur zu testen, und vertrödelte danach noch eine weitere halbe Stunde, bis ich schließlich ganz im Wasser war. Ich benahm mich also mehr wie in einer Wellness-Oase als wie in einem Schwimmbad.

Heute komme ich dagegen fünf Minuten vor Beginn meines Trainings am Schwimmbad an, stehe in kürzester Zeit am Startblock und wenn mein Trainer mir sagt, dass ich loslegen soll, zwinge ich mich, ins eiskalte Wasser zu springen.

In jeder Trainingseinheit schwimme ich hinter meinen Teamkollegen her und kämpfe darum, mithalten zu können. Etwas neidisch beobachte ich dabei, wie mühelos die Stunde für die schnellste Person auf der Bahn vorübergeht. Ich stelle mir das entspannte Gefühl in meinen Füßen vor, wenn sie bei jedem Beinschlag ins Wasser eintauchen, während ich das Schwimmbrett festhalte. Den Spaß, den mir das Freistilschwimmen bereitet, ohne dass ich mir Gedanken über das kraftvolle Abstoßen oder die richtige Erholungsphase machen musste. Ich kann die Freiheit all jener erahnen, die nicht an Wettkämpfen interessiert sind und einfach nur genussvoll durchs Wasser gleiten wollen.

Es wäre toll, meine Teamkollegen anzuführen, aber als Langsamste in der Bahn versuche ich bloß verzweifelt, mit den Füßen, die vor mir schlagen, mitzuhalten. In gewisser Weise genieße ich aber diese Rolle auch: Es motiviert mich, alles zu geben und hindert mich daran, mich gehen zu lassen.

Manchmal muss man sich auch selbst daran erinnern, wie schön es ist, langsam zu schwimmen und wie entspannend es sein kann, wenn man sich keine Gedanken über Zeiten machen muss und jede Bahn wirklich genießen kann.

Solange es noch so etwas wie Trostpreise gibt, ist es sowieso vollkommen okay, die Langsamste in der Bahn zu sein.

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Geschrieben von:

Valeria Molfino

Valeria Molfino is a 30-year-old with lots of stories to tell. She is a keen swimmer and runner but, above all, passionate about writing. She has always been a Blogger and loves to observe and describe people and their relationships, grasping all the most deeply hidden nuances and connections. She has a degree in Media Languages to give her a deeper understanding of communication and a Master’s in Multimedia Communication, so that she can express herself more methodically and concisely. For her swimming is not just a sport, but a means of expressing freedom and lightness.

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